Guter Klang ist harte Arbeit


Karl Göckel, über sein neuestes Werk in Düsseldorf St. Peter, Werte und Eventkultur

k_goeckelWenn Sie nur ein einziges Wort hätten um alle Göckel-Orgeln zu charakterisieren: Welches Wort wäre das?
Klang. Meine Instrumente müssen so klangvoll sein wie dieses hier in Düsseldorf.

Was macht diese Orgel klangvoll? Wie kann man sich den Klang vorstellen?
Im Grunde gibt es zwei Vorstellungen wie eine Orgel zu klingen hat: Da ist der klassische, helle Klang der Barockorgel und man könnte meinen Bachs berühmte
d-Moll-Toccata zu hören. Eine andere Klangvorstellung orientiert sich am großen Symphonie-Orchester. Jede Stimme ist hier mit zahlreichen Instrumenten besetzt und es lassen sich ungeheuer spannende Farbschattierungen erzielen. Daher klingen meine Instrumente symphonisch.

Bedeutet das eine Vielzahl von Pfeifenreihen, den Registern?
Nein, denn Klangschönheit ist keine Frage der Registerzahl. Früher glaubte man, je mehr Register, umso besser. Bei der Abstimmung aller Komponenten eines Instrumentes macht die Präzision der Arbeit, die Erfahrung des Orgelbauers und die Güte der Intonation weit mehr aus. Mit wenigen Registern einen Raum zu füllen ist eine hohe Kunst und guter Klang ist harte Arbeit.

Sie selbst arbeiten in Ihrem Unternehmen als Intonateur. Wie lässt sich das miteinander vereinen?
(lacht) Direkt nach der Meisterprüfung habe ich meine eigene Werkstatt eröffnet. Klar gibt es zunehmend andere Aufgaben, aber als Intonateur bekommen sie zum Schluss jede Pfeife in die Hand. Damit es dann nicht am letzten hängen bleibt, muss bereits bei Planung, Konstruktion und Bau der Orgel alles wie am Schnürchen laufen. Und außerdem macht mir das wirklich sehr viel Spaß.

Sie sind Inhaber eines Deutschen Patents?
Ja, der Barkerhebel mit Rückstellhilfe. Dabei handelt es sich um eine Vorrichtung innerhalb der Verbindung von der Taste zum Windventil der Pfeife, die in der Hochzeit des symphonischen Orgelbaus z.B. in Frankreich häufig gebaut wurde. Ich habe diese Vorrichtung überarbeitet und entscheidend verbessert.

Für die Kirche St. Peter in Düsseldorf liefern Sie das bisher größte Instrument aus Ihrer Werkstatt. Was kommt danach?
Qualität lässt sich nicht beliebig generieren. Jetzt bietet das Unternehmen Arbeitsplätze für sechs Beschäftigte. Alles ist überschaubar, kurze Wege kennzeichnen die Arbeitsabläufe und ich habe frühzeitig in modernste CNC- und CAD-Technik investiert. Das wird auch so bleiben, denn handwerkliche Spitzenleistung entsteht nicht am Fließband. Warum sollte ein Instrument, das für Generationen gebaut wird, in wenigen Wochen fertig werden? Zur Zeit müssen Kunden rund zwei Jahre nach Auftragsvergabe auf ihr Instrument warten. Aber nur so lässt sich das hohe Qualitätsniveau halten – schließlich ist jede Orgel eine Einzelanfertigung.

Sind Pfeifenorgeln da nicht ein Anachronismus angesichts immer kürzer werdender Produktzyklen?
Gute Klänge haben keine Effekte nötig. Die Orgel spielt als akustisches Instrument sozusagen „unplugged“ und das macht auch ihren besonderen Reiz aus. Die Menschen spüren durch den Zeitgeist hindurch das Feierliche, das Erhabene des Orgelklangs. Meine Instrumente wollen den Hörer mitnehmen in die eigene Welt der Vorstellungen, Gefühle und Verbundenheit. Daraus Kraft zu schöpfen, ist einfach eine andere Qualität zu leben.